Vor genau zwei Jahren, am 10.9.2024, sah ich zum ersten Mal die berühmten beiden roten Striche auf meinem Schwangerschaftstest. Ich war an Zyklustag 29 und damit für mich bereits ein paar Tage überfällig. Zudem hatte ich erste Symptome, die auf eine Schwangerschaft hindeuteten. Dazu später mehr.
Es war ein Dienstagnachmittag. Ich war allein zu Hause und sollte eigentlich arbeiten, doch ich konnte mich nicht konzentrieren. Meine Gedanken kreisten um die Frage, ob ich schwanger war oder nicht.
Schwanger mit 37, direkt im ersten Zyklus
Schließlich entschied ich mich dazu, in die Apotheke um die Ecke zu gehen und einen Test zu kaufen. War er negativ, konnte ich beruhigt weiterarbeiten. War er positiv, well, dann konnte ich mich eben darauf einstellen. Aber diese Unsicherheit war nur schwer zu ertragen.
Long story short: Der Test war positiv!
Um ganz sicher zu sein, dass es sich nicht um einen falsch positiven Test handelte, ging ich zurück in die Apotheke und kaufte noch einen. Ich schaute damals Emily in Paris, ausgerechnet die Staffel, in der Camille wegen eines falsch positiven Tests zunächst glaubt, schwanger zu sein.
Doch auch der zweite Test war positiv. Uff.
Ich war 37. Und ich bin quasi im ersten Zyklus, in dem wir probiert haben, schwanger zu werden, schwanger geworden.
Mir war bewusst, was für ein großes Glück das war. Durch meine Arbeit an PrettyPrettyWell, meine Amenorrhö und viele Gespräche mit Freundinnen weiß ich, dass eine Schwangerschaft nicht selbstverständlich ist. Manche versuchen es jahrelang, andere werden nur mithilfe einer Kinderwunschbehandlung schwanger. Und für einige erfüllt sich der Wunsch trotz allem nicht.
Laut Weltgesundheitsorganisation ist weltweit etwa jeder sechste Mensch im Laufe seines Lebens von Unfruchtbarkeit betroffen. Als unfruchtbar gilt laut WHO, wer nach mindestens zwölf Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht schwanger wird.
Wichtig: Frauen über 35 wird empfohlen, sich bereits nach sechs Monaten ohne Schwangerschaft ärztlich beraten zu lassen.
Große Freude, große Überforderung
Wie du dir vorstellen kannst, hüpfte mein Herz vor Freude, als ich die beiden Linien sah. Gleichzeitig war ich aber auch vollkommen überfordert.
Ich lebte seit rund zwei Jahren in Frankreich und hatte weder eine funktionierende Krankenkassenkarte (Carte Vitale) noch eine Mutuelle, also eine französische Krankenzusatzversicherung.
Auf einen Schlag hatte ich tausend organisatorische Fragen: Zu wem gehe ich jetzt? Wie funktioniert die Schwangerschaftsvorsorge in Frankreich? Und was davon muss ich selbst bezahlen?
In mein Tagebuch schrieb ich an diesem Tag:
„Ich bin schwanger! Wow. Erste Reaktion: Freude. Dann: Ängste. Ich habe keinen festen Job, keine Mutuelle, wie funktioniert das überhaupt alles in Frankreich? Ahhh!“
Auch meine ersten Symptome notierte ich:
- Meine Resting Heart Rate, also mein Ruhepuls, war erhöht. Das sah ich in den Statistiken meines Oura-Rings
- Ich hatte eine kleine Entzündung an einem Lymphknoten am Hals
- Ich hatte weniger Lust auf Kaffee und bemerkte einen veränderten Geruchs- und Geschmackssinn
- Ich hatte wahnsinnig Hunger
- Und: Ich war in einem sehr ruhigen, Zen-artigen Zustand
Natürlich sind das alles keine eindeutigen Beweise für eine Schwangerschaft. Es waren einfach die Veränderungen, die ich damals an meinem Körper bemerkte.
Meine ersten Schwangerschaftsanzeichen
Ganz überraschend kam die Schwangerschaft an diesem Tag für mich aber nicht. Bereits am 6.9. notierte ich in meinem Tagebuch, dass ich das Gefühl hatte, schwanger zu sein. Und zwar aus zwei Gründen:
- Ich hatte sehr reale Träume. Normalerweise erinnere ich mich fast nie an meine Träume. In dieser Zeit hatte ich jedoch in drei aufeinanderfolgenden Nächten sehr konkrete Träume, an die ich mich alle erinnerte. Besonders an den ersten kann ich mich bis heute erinnern: Ich spielte darin mit einem kleinen blonden Mädchen. Erst war ich unsicher und wusste nicht so richtig, ob ich mit ihr spielen wollte. Aber dann tat ich es und es wurde immer schöner und vertrauter. Ich sehe ihr Lachen und die blonden Zöpfe noch genau vor mir.
- Normalerweise habe ich gegen Ende meines Zyklus leichte PMS-Symptome. Meine Haut wird zum Beispiel etwas fettiger. In dieser Woche fing das ganz leicht an – und hörte dann wieder auf. Keine fettige Haut, kein PMS.
Insgesamt fühlte ich mich auch schlapper und müder als sonst. Aber es ging mir gut.
Auch in den darauffolgenden Wochen hatte ich kaum mit Morgenübelkeit zu kämpfen. Am schwierigsten fand ich es, die Schwangerschaft in den ersten Wochen geheim zu halten. Ich wollte die Nachricht mit der ganzen Welt teilen!
Fragte mich jemand, wie es mir ging, sagte ich einfach: „Ja, alles gut. Nichts Neues.“ Dabei stand meine Welt eigentlich Kopf.
Heute, zwei Jahre später, bin ich glückliche Mama. Und auf die Frage, ob ich es wieder tun würde, kann ich ganz deutlich antworten: JA, auf jeden Fall.
Es ist anstrengend. Ich habe weniger Zeit für mich selbst. Urlaub ist nicht mehr wie früher und wegen der Kita bin ich häufig krank.
Aber ich liebe dieses kleine Wesen mit seinen meistens klebrigen Fingern mehr, als ich es mir an jenem Dienstagnachmittag hätte vorstellen können.
