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    Bad Yogi – bin ich ein schlechter Yogi?

    Insa Bad Yogi

    Kennst du das: man hat eigentlich einen normalen Tag, beziehungsweise sogar einen sehr schönen Tag – trifft Freunde, geht essen und zu spät ins Bett. Und trotzdem fühlt man sich am Ende des Tages nicht gut. Der Tag war irgendwie verdächtig schön.

    ZU schön?

    Man fragt sich: Habe ich zu viel genossen, geschlemmt, dem Müßiggang gefrönt? Hätte ich nicht mehr lesen, schreiben, Yoga machen sollen?

    Bin ich ein schlechter Yogi?

    Der „Monkey Mind“ läuft gerade erst warm: Musste der Wein zum Essen wirklich sein? Und der Nachtisch? Musstest du wirklich noch diese Instagram-Story online stellen und dafür deine Freundin warten lassen? Wolltest du nicht weniger Geld ausgeben in nächster Zeit?

    Ich bin ein schlechter Yogi!

    Morgen lasse ich dafür mein Frühstück ausfallen als „Bestrafung“. Und halte mich auf jeden Fall wieder an meine morgendliche Yoga-Routine. Vielleicht sollte ich auch mal einen Digital Detox Monat einlegen?

    Situationen wie die gerade beschriebene passieren mir häufig, seit ich mich auf meinen Yoga-Weg begeben habe. Immer wieder schwanke ich dazwischen ein guter Mensch zu sein, bzw. mich als solcher zu fühlen, und ein „schlechter“.

    (Wobei „schlecht“ natürlich relativ ist, ich meine jetzt nicht stehlen, betrügen, oder so. Sondern vielmehr ein Versagen in gewissen Ansprüchen an sich selbst.)

    Bad Yogi – die Beweislage ist erdrückend

    Hier eine kleine – und sicherlich nicht erschöpfte – Beweisliste:

    • Ich bin genervt von Leuten, die laute Schluckgeräusche machen, oder die zu langsam sind und im Weg herumstehen.

    • Ich hänge zu viel auf Social Media herum und vernachlässige dafür manchmal meine „echten“ Freunde.

    • Ich bestelle (!) Klamotten online bei H&M (!).

    • Ich trinke Alkohol.

    • Ich fluche im Straßenverkehr und fahre über rote Ampeln. Ja, manchmal auch vor Kindern.

    • Ich kann die Ashtanga Chants immer noch nicht mitsingen.

    • Ich kaufe aus Unachtsamkeit manchmal Obst, das aus Chile kommt. Oder Indien.

    • Ich lebe (meist) nicht vegan.

    Ich versuche nach den Maßstäben eines guten Yogis, bzw. einer guten Yogini zu leben. Doch der Geist ist manchmal schwach.

    Das Ergebnis: Ein schlechtes Gewissen und Selbstvorwürfe.

    Doch ein schlechtes Gewissen und Selbstvorwürfe machen auch keinen besseren Yogi aus mir.

    Im Gegenteil: sie führen nur dazu, dass ich genau das Gegenteil erreiche von dem, was ich eigentlich erreichen möchte: Ich bin gestresst und unzufrieden, statt happy und glowy flowy.

    Was also tun?

    In verschiedensten Dialogen mit mir selbst habe ich mit mir die Übereinkunft getroffen, dass es ok ist, nicht von heute auf morgen ein perfekter, erleuchteter Mensch und Yogi zu sein. Das wäre im wahrsten Sinne des Wortes über-menschlich.

    Was verpasste ich denn wirklich, wenn ich mal einen Tag Auszeit nahm, 5e grade sein ließe und mehr im Moment lebte?

    Ist ein absolut perfektes Leben voller Verbote und Geißelungen denn wirklich ein perfektes Leben? Oder tut man sich durch die damit einhergehenden Verbote und negative Gedanken nicht auch wieder Gewalt an (Ahimsa)? Ist es nicht noch dazu stinklangweilig?

    So viele rhetorische Fragen heute 😉

    Die bewusste Unvernunft

    Neulich traf ich eine Freundin von mir (auch Yoga-Lehrerin), die mir erzählte, dass sie vor Kurzem wieder angefangen hat zu rauchen.

    „Ich habe wieder angefangen zu rauchen. Ich bin immer stark und für alle da, aber manchmal muss ich eben auch mal schwach sein. Und das Rauchen ist wohl mein Zeichen, Schwäche zu zeigen. Nachzugeben. Erst habe ich mich dafür schlecht gemacht, jetzt denke ich: Na und? Ich habe keine Lust mehr, mir etwas zu verbieten, was mir Freude bereitet. Auch wenn es total irrational ist. Das Leben ist zu kurz dafür.“

    Vernünftig? Nein. Empfehlenswert? Nein. Akzeptabel? Ja.

    Natürlich wäre es toll, von heute auf morgen vegan zu leben, keinen Alkohol mehr zu trinken, nur noch regionale Bio-Produkte zu kaufen und Vintage-Klamotten, jeden Tag 30 Minuten Yoga Asanas zu praktizieren und 2 Stunden zu meditieren. Dem Kollegen mit den lauten Schluckgeräuschen ein weiteres Glas anzubieten und dem Autofahrer, der mich schneidet, ein freundliches Lächeln zu schenken.

    Und ja, ich arbeite daran.

    Und darum geht es doch. Wir alle sind mal schwach. Manche von uns rauchen, manche trinken, manche essen Fleisch. Manche meditieren nie. Die wenigsten von uns sind so im Reinen mit sich selbst, dass sie komplett und immerzu frei sind von Egoismus, Grübeln und Zweifeln, von Süchten, Neid, Gier, Geiz, Eifersucht und sonstigen vermeintlichen menschlichen Übeln.

    Schritt 1: Akzeptanz

    Wichtig ist, dass wir uns erst einmal so annehmen wie wir sind, mit Liebe und Geduld. Und dann Tag für Tag versuchen unser bestes Selbst zu sein. Dass wir uns nicht aufgeben.

    Das Erkennen, dass wir die Option haben und etwas ändern können, ist schon mal der erste wichtige Schritt.

    Dabei will nicht nur der Körper trainiert werden, sondern vor allem unser Geist. Auf der Yogamatte, aber auch und vor allem, wenn wir nicht auf der Matte sind.

    Die gute Nachricht ist, dass wir jeden Morgen aufs Neue die Chance haben, die beste und glücklichste Version unserer Selbst zu sein und so einen positiven Beitrag nicht nur für uns selbst, sondern auch im Leben anderer zu leisten. Deswegen sagt man ja auch: Yoga ist eine tägliche Praxis.

    Und nicht nur jeden Morgen:

    Jeden Moment können wir uns dafür entscheiden glücklich zu sein.

    Sündigen? Ja, aber bitte bewusst.

    Mein Fazit ist jedenfalls: Besser ein Bad Yogi, als gar kein Yogi. Und wenn wir mal sündigen, dann bewusst. Und ohne Gewissensbisse danach.

    Also: Erst zum Yoga, dann Rosé! Wer ist dabei? 😉

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