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  • Authentizität & Selbstliebe

    Was ich von Dating-Apps über Selbstliebe gelernt habe

    Insa Schniedermeier, PrettyPrettyWell.com

    Wir alle wollen sie, die Liebe. Doch frei werden wir erst, wenn wir es schaffen, uns selbst zu lieben. Und zwar nicht mit Affirmationen, sondern mit Selbstliebe in Aktion.

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    Hurra, es ist Valentinstag, das Fest der Liebe. Zum ersten Mal seit Jahren bin ich Single an diesem Tag. Nicht, dass mir das jetzt groß etwas ausmachen würde, da ich auch in der Vergangenheit mit Partner nie Wert darauf gelegt habe. Dennoch muss ich zugeben, dass es ein klein wenig komisch ist, heute Single zu sein. Insgesamt, Single zu sein Ü30, suggeriert einem schließlich die Gesellschaft, dass man nur dann ganz ist und „es geschafft hat“, wenn man in einer Beziehung ist. Wenn man heiratet und eine Familie gründet, alles natürlich in den als akzeptabel angesehenen Zeitfenstern.

    Entscheidet man sich für einen anderen Lebensentwurf, findet keinen passenden Partner oder kann vielleicht keine Kinder bekommen, so muss man sich unangenehmen Fragen stellen. Was dazu führen kann, dass man sich nicht vollwertig und „normal“ fühlt. Was definitiv nicht so sein sollte.

    Ich bin lieber Single, als gefangen in einer Beziehung, die mich klein hält und in der ich nicht mein authentischstes und bestes Selbst sein kann. In der ich zu viele Kompromisse eingehe, nur, um nicht allein zu sein. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass Single zu sein eine Superpower sein kann, durch die man sich besser kennenlernen und seine Werte neu definieren kann.

    Was ich von Dating-Apps über die Liebe gelernt habe

    Klar, wir alle wollen geliebt werden. Deswegen suchen wir nach ihr, der Liebe. Auf Tinder, Bumble oder Parship. Auf Partys, in Bars, in der Uni. Doch sucht man zu krampfhaft nach ihr, so hat das oft den gegenteiligen Effekt, nämlich, dass man sie nicht findet. Man wird needy und verbiegt sich, nur um dem oder der anderen zu gefallen – was langfristig meist nach hinten losgeht. Das Ziel ist im Weg.

    Ich liebe die Liebe auch sehr. Daher war ich in den letzten Monaten nach meiner Trennung auch wieder auf Dating-Apps unterwegs. Dabei hatte ich schöne, aufregende und verheißungsvolle Dates, aber auch sehr komische. Mein kürzestes Date hat nur sechs Minuten gedauert, weil der Typ einfach null aussah wie auf den Bildern. Nach einem kurzen Hallo bin ich gegangen und war dann allein essen.

    Was noch?

    Ich war Sterne schauen (schön!) und habe Sexting ausprobiert (hot!).
    Ich hatte heiße Küsse und einen sehr schlechten.
    Ich wurde geghostet und habe geghostet.
    Ich habe Liebesgedichte geschrieben und an anderen Tagen vor Kummer geweint.
    Kurz: Ich hatte highs und lows.

    Highs und lows

    So ist das eben mit der Liebe, die Geschichte ist so alt wie die Menschheit. Sobald ein anderer Mensch beteiligt ist, so ist die Liebe schön, anstrengend und schmerzhaft zugleich. Die Liebe kann heiß sein und sehr kalt. Das schlimmste dabei (für mich als Kontrollfreak): man kann sie nicht steuern und beeinflussen. Die Liebe macht was sie will. Ist man von ihr abhängig, der externen Liebe, und damit von einem anderen Menschen, so wird man schnell wie ein Junkie, der den nächsten Schuss braucht.

    Erst wenn man es schafft, sich selbst mit Liebe auszufüllen, kann man eine Gelassenheit entwickeln und die Dinge nehmen, wie sie kommen.

    Ohrringe: Mejuri. (Bild: Volker Pilz)

    Ist ein Date gut, schön. Ist es schlecht, auch gut. Um ehrlich zu sein, bin ich immer noch dabei, das wirklich zu lernen und zu leben und bei schlechten Dating-Erfahrungen nicht an meinem Wert zu zweifeln. Aber es funktioniert immer besser.

    Liebe fängt bei einem selbst an

    It’s not your job to like me – it’s mine. Byron Katie

    Der Schlüssel zu dieser Gelassenheit ist Selbstliebe. Denn kein Partner wird uns langfristig glücklich machen und unser Leben mit Sinn füllen können. Erwartet man das von seinem Partner, dann endet das schnell in einer Neediness, also einer Form von Co-Abhängigkeit – die langfristig auf jeden Fall ungesund ist. Deswegen beginnt die Entscheidung für die Liebe bei genau einem Menschen: uns selbst.

    Wie kann man sich selbst lieben?

    In einem meiner früheren Texte habe ich geschrieben, man solle für mehr Selbstliebe einfach Affirmationen in seine Meditationspraxis einbauen (wenn man denn eine hat). Oder sie auf ein Post-it an den Badezimmerspiegel kleben, so dass man sie jeden Morgen sieht. Natürlich hatte ich auch eine Reihe an Beispielen in petto, wie:

    • Ich bin liebenswert
    • Ich nehme mich jetzt mit all meinen Facetten an
    • Ich akzeptiere meine Stärken und meine Schwächen gleichermaßen
    • Ich bin genug
    • Ich übernehme selbst die Verantwortung für mein Glück

    Schön, ja. Aber heute, rund drei Jahre später, sehe ich das Thema Affirmationen etwas anders. Affirmationen können sicherlich helfen, sich selbst mehr zu lieben. Aber nur, wenn man sich in dem entsprechenden Mindset befindet und sie auch fühlt. Hat man hingegen das Gefühl, sich selbst zu belügen mit der Affirmation, dann kann das auch nach hinten losgehen, weil sie einem so einen Lack aufzeigt, also einen Mangel.

    Stehe ich also vor dem Spiegel und sage mit gequältem Lächeln immer wieder „ich bin liebenswert“, obwohl ich es nicht fühle, dann kann mich das am Ende noch trauriger fühlen lassen. Toxische Positivität ist das.

    Affirmationen muss man fühlen. (Bild: Volker Pilz)

    Selbstliebe als Emanzipation

    Was jedoch hilft, um sich mehr zu lieben, also mir zumindest, ist Selbstliebe in Aktion. Sprich: Sich so zu behandeln, als würde man sich selbst lieben und als wäre man die Premium-Frau (oder der Premium-Mann), die (oder der) man sein will. Wie würde sich diese Frau verhalten?

    Meine innere Premium-Frau ist eine weibliche Göttin, die sich selbst verwöhnt mit gutem Essen, mit kleinen Geschenken wie Schmuck oder Parfum oder mit Treatments wie einer Massage oder einem Spa-Tag. Sie macht Sport und achtet auf ihren Körper und Geist. Sie umgibt sich mit positiven Menschen und guter Energie und verbannt Negativität aus ihrem Leben. Sie hat starke Werte, ist authentisch, offen, ehrlich und zuverlässig. Sie liebt das Leben, hat ein offenes, weiches Herz, aber starke Grenzen, die vermeiden, dass Menschen sie ausnutzen oder sie respektlos behandeln. Verhalte ich mich wie sie, fühle ich meine Selbstliebe. Dazu brauche ich keinen Partner.

    Warum nicht einfach selbst beschenken zum Valentinstag? (Bild: Volker Pilz)

    Selbstliebe in Aktion ist für mich Emanzipation.

    Fake it, till you make it. Und wenn wir in diesem high-value Mindset eine neue Liebe finden, umso besser. Denn schön ist sie ja schon, die Liebe.

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