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  • Authentizität & Selbstliebe

    Das weibliche Prinzip

    Wir Frauen sind zyklische Wesen. Eigentlich. Denn heutzutage wird der immer wiederkehrende Rhythmus der Menstruation eher unterdrückt und ignoriert, statt wertgeschätzt. Eine Schmerztablette geschluckt, einen OB rein und weiter im Text.

    Pause oder Besinnung? Kommen oft viel zu kurz.

    Ein neues Bewusstsein

    Ich bin gerade erst dabei, ein neues Bewusstsein für meinen Körper zu entwickeln. Und ein neues aufmerksameres und liebevolleres Verhältnis zu mir selbst aufzubauen. Lange Jahre waren meine Ideale geprägt von materiellen Dingen und einer Wow-Karriere, höher, schneller, weiter. Drei Sprachen, Auslandsaufenthalte, ein beeindruckender CV. Ein fitter, schöner Körper, bloß kein Hüftspeck, das ist doch was für Coach-Potatoes.

    Halbmarathon, 4:30er Pace beim Joggen, beim Body Combat schwitzen, 30-Tage Yoga Challenge… yes, I can! Müde? Egal.

    Mit Biss zum Ziel?

    Meinem Körper scheint es jedoch nicht egal zu sein; schaue ich jetzt genauer hin, so vermute ich einen Zusammenhang zwischen meiner Amenorrhö und meiner Selbstdisziplin, meinem „Biss“ und der mangelnden Identifikation mit meiner weiblichen weichen Seite.

    Das Leistungsdenken wurde mir bereits als Kind eingepflanzt. Gute Leistung war für mich lange Zeit der Weg, die Aufmerksamkeit meines Vaters zu bekommen, auch wenn das hart klingt. Uns verband der Sport (ich war früher Leichtathletin) und später, mein BWL-Studium und mein Job. Je besser und erfolgreicher ich war, desto mehr fühlte ich mich wertgeschätzt. Dazu auch hier ein paar Gedanken:

    Ist mein Sportprogramm in Balance?

    Vor „gläsernen Decken“, also dass man als Frau an Karriere-Grenzen stößt, hatte ich nie Angst. Mein Papa betrachtete mein Frau-Sein eher als einen Türöffner, mit dem man sich durch die Quote (einfacher vielleicht als meine männliche Konkurrenz) ganz nach oben husteln kann. Seine Vision für mich: eine CEO-Position in einem Mittelstandsunternehmen mit Mitte 30. Wahrscheinlich auch nicht unrealistisch, würde ich all meine Energie, mein Denken und meine Handlungen darauf fokussieren, die „Karriereleiter“ weiter zu erklimmen.

    Doch dieses männlich geprägte lineare Leistungssystem ist auch ein System, das einem keinen Raum für Pausen lässt. Jeder Tag ist gleich und jeden Tag wird das gleiche Maß an „Performance“ erwartet. Montag bis Freitag, 9 to 5, oder eher 9 to 7. Und am Wochenende soll man dann auf Knopfdruck „abschalten“.

    Der weibliche Weg

    Betrachtet man den natürlichen Rhythmus des Lebens und der Frau, so wirkt dieses lineare System ziemlich künstlich, rigide und unpassend. Skurril schon fast.

    Ich frage mich:

    Wie würde ein System aussehen, das nach den Bedürfnissen von Frauen ausgelegt ist?

    Vielleicht gäbe es dann Arbeitstage von 10h in den ersten zwei Zykluswochen, in denen man fit, besonders kreativ und energiegeladen ist und dafür Arbeitstage von nur 4h in den Phasen der Introversion und Ruhe. Der Arbeitskalender würde sich nach dem Mondkalender richten, denn der zyklische Wechsel von Vollmond zu Neumond scheint eng mit unserem Menstruationszyklus verknüpft zu sein.

    Was würde das mit uns Frauen machen?

    Sicherlich würde es zu einer Optimierung von Wohlbefinden und Produktivität führen durch eine effizientere Arbeitsbelastung und ausgeglicheneren Erwartungen und Ansprüchen uns selbst gegenüber. Zu einer positiven und schon fast Ehrfürchtigen Einstellung der Natur, unserer Weiblichkeit und dem Geschenk der Fruchtbarkeit gegenüber. Und auch zu harmonischeren Beziehungen mit unseren Kollegen, Freunden und Partnern.

    Option: „Period leave“?

    China ist da schon weiter. Dort wird die monatliche Periode nicht nur quadratisch, praktisch, gut (ihr wisst was ich meine ;)) gesehen als das Ausstoßen von Schleimhaut aus der Gebärmutter. Laut TCM geht es dabei auch um den Fluss des Qi, also der Lebensenergie, die nicht nur uns am Leben hält, sondern auch einen Embryo mitversorgen kann. Frauen verlieren während der Tage also nicht nur Blut, sondern auch Qi, wodurch in dieser Zeit mehr Schonung und Ruhe zur Regeneration benötigt wird.

    Seit 2016 haben Chinesische Frauen in vielen Unternehmen den Anspruch auf zwei Tage „period leave“ pro Monat, denn man ist sich dort bewusst darüber, dass man durch die Schonung einen langfristigen Beitrag für die Gesundheit der Frau und somit auch für den Erhalt ihrer Arbeitskraft leisten kann.

    Leben im Zyklus – was für eine schöne Vision, oder?

    Bis es auch bei uns soweit ist, ist ein erster Schritt schon mal mehr auf seinen Körper zu hören und sich auch mal Schwäche und Pausen zuzugestehen, wenn man sich danach fühlt. Achtsam zu sein. Und die Dinge nicht so verkrampft zu sehen, sondern mit mehr Freude und Leichtigkeit. Denn was wirklich zählt ist nicht der Jahresabschluss oder der nächste erfolgreiche Sales-Pitch, sondern unsere Zufriedenheit und Gesundheit.

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    „Ich bin nicht genug“ – 5 Tipps gegen Ängste und Zweifel

    Quellen: 
    
    http://www.movingwiththemoon.com/blog/blog-post
    http://www.diegoldenezeit-schrift.com/Archiv/2010/09/?show=TCM
    http://www.independent.co.uk/news/world/asia/china-period-leave-ningxia-women-two-days-a-month-menstruation-a7197921.html
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